JMB Jewelry’s Jorinde Meline Barke: “Questioning yourself is a true virtue”

Portrait by Ina Niehoff - BFF Image Campaign by Sigurd Grünberger
Portrait by Ina Niehoff - BFF Image Campaign by Sigurd Grünberger

Unter welcher Professur hast Du noch mal studiert an der UdK?

Die meiste Zeit meines Studiums habe ich bei Stephan Schneider studiert. Der ist damals mehrmals die Woche zwischen Antwerpen und Berlin hin und her geflogen, um uns zu lehren. Zusätzlich hatten wir das Privileg, dass er seine Kontakte genutzt und spannende Leute aus seinem Umfeld involviert hat. Wie besonders sowas ist, fällt einem natürlich erst nach dem Studium auf. Aber irgendwie ist das Studium ja auch wie ein zu Hause. Man nimmt es ganz selbstverständlich, das immer warmes Essen auf dem Tisch steht. Stephan ist einfach ein super Designer und ein spannender Typ und zugleich jemand, der sich total reinhängt für Andere. Er ist euphorisch aber auch fordernd. Und doch musste ich mich irgendwann mal vom Meister distanzieren (A.d.R. Jorinde lacht). Deshalb habe ich mein Diplom bei Valeska Schmidt-Thomsen und Franziska Schreiber gemacht.

 

Who was your professor at UdK again?

Mostly I studied with Professor Stephan Schneider. Back then he used to fly back and forth between Antwerp and Berlin constantly to teach us. Additionally he used his great exposure to the fashion world to bring even more amazing specialists to UdK in workshops and courses. I only realised after graduation what a special environment he had created for us. In so far, academic studies have much in common with a home one grows up in. One gets pretty much used to food being on the table. It’s that immanent form of trust. Stephan is simply a great designer and a fascinating person who invests in the progress of other people. He is upbeat but also demanding. And at a certain point in my studies I felt like I had to distance myself a bit from my master. (Jorinde laughs). That’s why I decided to graduate with Professor Valeska Schmidt-Thomsen and Franziska Schreiber.

LTAF Collection - Double Twist Bracelet
LTAF Collection - Double Twist Bracelet

Wusstest Du damals schon genau, was Du von der Mode wolltest?

Ach, als Studierende ist man ja so jung. Aus heutiger Sicht hatte ich damals überhaupt keine Ahnung von Mode. Es gab auch Studierende, die wussten schon genau Bescheid, kannten alle Modehäuser und waren super reflektiert. Ich habe durch mein Studium gelernt, auch von Stephan, wo ich in der Mode eigentlich hinschauen sollte. Ich habe da angefangen mir Shows anzugucken. Und interessanterweise Marni entdeckt. Die Marke ist noch immer ein wichtiger Orientierungspunkt für mich. Die Formulierung Inspiration finde ich zwar immer schwierig, aber ich guck mir das total interessiert an. Stephan hat manche von uns erst dazu gebracht Mode als das wahrzunehmen, was sie eigentlich ist.

Kann es unter Umständen auch ein Vorteil sein, im Studium noch nicht so vorgeprägt zu sein?

Auf jeden Fall. Stilistisch nur einem Vorbild nachzueifern heißt irgendwie auch, sich selber zu wichtig zu nehmen. Für mich gibt es erst dann uneingeschränkte Möglichkeiten, wenn es die Fähigkeit gibt persönlichen Ambitionen zu hinterfragen. Noch viel wichtiger ist es ja auch Prozesse zu lernen. Dafür haben Stefan und Valeska gesorgt. Wir haben vermittelt bekommen, dass es ein großes Gesamtes gibt und dass sich das untergliedern lässt in brauchbare Bereiche. Klar arbeiten wir an der Kollektion und am Label, also an der Kleidung oder dem Produkt. Aber das ist eben nur ein kleiner Teil des großen Ganzen. Dazu kommen Kampagnen, Grafik, Logos und die Verpackung. Und wir haben von Anfang an gelernt möglichst alles mitzudenken.

Did you know at that point what it was about fashion that interested you?

Oh, I was so young when I was a student. In hindsight I simply had no clue. There actually were students who knew exactly where they were headed. They knew every fashion house insight out and they were able to reflect what that insight meant for them. I learned during my studies, thanks to Stephan, how to reflect fashion in a way that would help my own progress, what to look at and how to interpret fashion shows. Interestingly, the things I discovered than are still guidelines for me today. I don’t like the phrase inspiration but I closely follow Marni and I’m deeply interested in what’s going on there. Stephan basically made some of us understand what fashion is all about.

But it could also be a virtue to be uncoined starting with your studies, right?

Definitely. Just emulating the style of a role model might lead to self-aggrandizement. From my point of view, boundless possibilities only come with the ability to question one’s ambitions. But it is even more important to learn about the process. That is something Valeska and Stefan rigorously took care of. We were taught that a brand is an oeuvre which can be subdivided into manageable domains. Surely we work on a collection and on a label, in other words the clothing or the product. But those are only tiny parts of a bigger picture. There are also campaigns, graphics, logos, packaging and so on. We learned from the beginning to follow that whole thought process and not leave anything out.

Boundless possibilities only come with the ability to question one’s ambitions.

LTAF Collection - Extended Ring
LTAF Collection - Extended Ring

Prägt das deine Arbeit heute?

Ich weiß auch jetzt schon immer, wie die Kampagne aussehen soll, bevor die Produkte fertig sind. Was jedoch fehlt ist ein wirtschaftlicher Background, den man vielleicht an anderen Unis gründlicher vermittelt bekommt. Aber vielleicht ist das auch eine Prioritäten-Frage. Die UdK scheint ja mit dem Fokus zu lehren, dass wir das Meiste aus eigenem Ansporn machen. Anders formuliert könnte man auch sagen: Wir wurden zu eigenverantwortlichen Individuen ausgebildet. Ob jetzt jemand während des Studiums wirtschaftliche Aspekte, Photoshop oder InDesign gelernt hat, war bei uns ja auch immer eine rein persönliche Entscheidung.

Wir mussten immer selber priorisieren und hatten nur ein bestimmtes Zeitkontingent.

Dabei ist es dann in einer Anstellung nach dem Studium plötzlich wie Schmalspur fahren. Du hast eine explizite Aufgabe und es ist dir mehr oder weniger untersagt, die Aspekte um die Aufgabe herum wahrzunehmen. Da hab ich mich dann ein bisschen geweigert.

Und dann hast du dich für die Selbstständigkeit mit Schmuck entschieden?

Ich habe mich schon während meiner ersten Arbeitserfahrung gefragt, wie es wohl danach weitergehen würde. Schmuck erschien mir aber nicht direkt wie der natürliche nächste Schritt. Ich hätte mir auch vorstellen können Schuhe oder Taschen zu machen. Zum Schluss war die Entscheidung eher intuitiv. Ich habe mich umgeschaut, was es im deutschen Raum für interessante Labels gibt im Accessoire-Bereich. Und die Schmucklabels fand ich am interessantesten.

Dann habe ich hier in Berlin für Ina Beissner gearbeitet und total viel mitgenommen. Ina ist toll. Sie ist so unkompliziert und so offen. Wir tauschen uns noch immer viel aus. Ich habe jetzt inzwischen meine eigenen Erfahrungen gesammelt und jetzt teilen wir die. Ich konnte sie von Anfang an anrufen, nach Tipps fragen.

Danach habe ich für Jana Patz von The Medley Institute gearbeitet und für Amelie Riech von Uncommon Matters. Ich hab super viel gelernt. Sowohl darüber, wie man mit dem Handwerk umgeht, als auch darüber, wie man sich als Marke ständig weiterentwickeln muss.

Does this process shape your actions today?

Even today I know what the campaign should look like even before all the pieces of a collection are completely finished. But what I didn’t really learn is the economical background which might have been more present at other universities. Maybe that’s a question of priorities. It seems like UdK teaches with a focus on the personal stimulus of individual students. One could say we were taught how to become self dependent individuals. If one would learn about economical aspects, about tools like Photoshop or InDesign, was basically a personal decision.

We always had to prioritise individually to deal with a very restrictive time quota.

And then you jump into work life and suddenly it feels like you jumped on a narrow-gauge bandwagon. You get assigned one specific task and it’s basically off-limits to question or even notice aspects outside of that task. I felt like I had to reject that.

And then to decided to go freelance and start working with jewelry?

Already during my first work assignment I started asking myself how I could proceed. Jewelry wasn’t the obvious next step. I could also see myself working with shoes or bags. But in the end the decision was intuitive. I had a look at interesting brands from the German accessory realm. The jewelry brands were the most exciting ones so I gave it a go.

I started working for Ina Beissner here in Berlin and it gave me a lot. Ina is just amazing. She is so down-to-earth and open. We still have a lively exchange going. At this point I have gathered my own experiences and I share with her what she shared with me. I could always ring her and ask her for help.

After my assistance at Ina Beissner I started working for Jana Patz of The Medley Institute and Amelie Riech of Uncommon Matters. I learned so much! Not only about how to work with manufacturers but also how important it is to constantly keep developing your brand.

Gran Turismo Collection - Cove Studs L
Gran Turismo Collection - Cove Studs L
Gran Turismo Collection - Pipe Ring
Gran Turismo Collection - Pipe Ring

Und danach hast du dein eigenes Label gegründet?

Ja. Ich kann als Selbstständige noch freier auf Strömungen reagieren und auf meine eigene Entwicklung. Zur Zeit spielt meine neue Lebenssituation als Mutter eine große Rolle. Die aktuelle Kollektion ist halt einfach runder geworden ( A.d.R. Jorinde lacht). Und persönlich finde ich sie auch femininer. In der Kollektion davor waren Teile, die auch Männer gern getragen haben. Für die Bloom Flower Fruits Kollektion habe ich schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt entschieden, dass viele runde Elemente zusammenkommen sollen. Mir geht es darum, immer neue Geschichten zu entwickeln, weil ich ja einen Großteil der Kollektionen konstant weiter anbiete. Ich arbeite nicht saisonal. Keine der Kollektionen wird alt. Werte-Erhalt ist mir sehr wichtig. Das ist ein Grund, warum ich mich für Schmuck entschieden habe.

Und woher kommen deine Geschichten?

Ich liebe es, ein großes Thema zu finden und mich daran abzuarbeiten. Dann suche ich nach einem Motiv. Bei der ersten Kollektion sieht man das ganz klar. Es ging um die Kordel. Das Motiv kommt schon aus dem antiken Griechenland und wurde seitdem im Schmuck immer wieder verwendet. Aber mir ging es auch darum Kontraste zu finden und daran zu arbeiten, zwei Pole zusammen zu bringen. Zugleich macht es mir Spaß Teile zu finden, die total tragbar sind. Und so war es auch bei der aktuellen Kollektion. Nur das Thema ist viel abstrakter.

Es geht um die Entwicklung einer Pflanze von Knospe über Blüte zur Frucht. Danach suche ich Neben-Stories. Wie kann ein ganz einfaches Teil entstehen, das den Kontext oder auch die ganze Komplexität des Themas in seiner Einfachheit darstellt? Ein sich verzweigender Stengel oder ein Blatt oder ein Blütenblatt. Dann sind mir auch die Details ganz wichtig. Es geht nicht nur um die Form. Die Form ist das Ergebnis, aber ich arbeite immer gleichzeitig an Ansatz und Form. Das muss in ein Objekt transportieren können.

The next step was JMB Jewelry?

Yes. Working independently means that I can react to certain tendencies – and even my personal development – freely. Right now, my position as a new mother plays a big role in the evolution of my label. My current collection came out much more round (Jorinde smiles). And I personally consider it to be more feminine. The previous collection even attracted men who wore some of the pieces. But for Bloom Flower Fruits I decided very early on to work with many round elements. The point is to tell a new story with every collection. I want to keep on offering the previous collections in parallel. The collections shouldn’t age. I’m very much interested in the preservation of value. That’s one reason why I wanted to work with jewelry.

Where do your stories come from?

I love it to identify a topic and keep poking at it. When I think I got it, I look for a motif. It’s very obvious in the first collection. It was all about the string, that was the motiv. It’s a very old one dating back to the antique. It has been interpreted again and again in jewelry. I was specifically looking for contrasting aspects in it and I was trying to push two poles to the extremes and then bring them back together. At the same time I love to create objects that are totally wearable. It’s the same with the current collection. Only the topic is much more abstract.

The current collection is about the evolution from a bud to a blossom to a fruit. When I found that topic I kept on looking for side-stories. How can I find a simple piece which would convey the whole complexity of the concept and convey it straightforwardly? A branching stem or a leaf or a petal. The details are really important to me. It’s not only about the shape. The shape is the result but I keep working on the approach and the form at the same time. That’s something every piece needs to get across in the end.

Blossom Flower Fruit Collection - Fruit Bracelet & Leaf Ring
Blossom Flower Fruit Collection - Fruit Bracelet & Leaf Ring
Blossom Flower Fruit Collection - Petal Earrings
Blossom Flower Fruit Collection - Petal Earrings

Das klingt minimalistisch.

Ich weiß nicht. Ich finde es einfach super interessant, die Grenze zwischen Dekorativem und Funktionalem auszuloten und das in beide Richtungen zu treiben. Meine Entwürfe können sowohl als total ornamental, als auch als reduziert wahrgenommen werden. Für mich sind sie aus einer bestimmten Funktion entstanden und dann habe ich das bewusst extrem in eine Richtung getrieben. Ich finde so Kreis-Quadrat-Malewich-Minimalismus heute nicht mehr so interessant. Denn Kreis und Quadrat sind heute auch ein Ornament. Wir schaffen damit keine Brüche mehr. Ich möchte neue Spannungen finden. Wenn etwas reduziert ist auf Kreis oder Quadrat, dann muss es dafür auch einen richtig guten, einen fundierten Grund geben. Einen, der über visuelles Zen hinaus geht. (A.d.R. Jorinde lacht)

Hast Du eine Art Methode?

Ich suche mir die Herausforderung oft in Aspekten, die mir eigentlich nicht zusagen und arbeite so lange daran, bis sie mir zusagen (A.d.R. Jorinde strahlt über das ganze Gesicht). Zum Beispiel die Blüte. Das ist ein so dermaßen florales, feminines Element, ist ist eigentlich nicht mein Ding. Und dann suche ich aber und finde am Ende die Blüte, die mir entspricht.

Ich möchte mich weiterentwickeln. Es geht mir nicht nur darum Dinge zu finden, die ich selber tragen will. Mir ist die Gesamtheit wichtig. Das ein großes Ganzes, Neues entsteht.

Sounds minimalist.

I’m not sure about that. I just find it really interesting to explore the border between the ornate and the functional and push both aspects to their limits. My designs can both be seen as very ornamental and very simple. To me they are primarily a result of a certain conceptional functionality which I discovered and consciously pushed in a certain direction. I’m not really interested in the circle-square-Malewich-minimalism omnipresent right now. Circle and square are nothing more than ornaments. We don’t violate any rule by using them today. We need to find new tension. If an object is reduced to a circle or a square, it needs a really good, well-informed reason to look that way. One that transcends visual Zen. (Jorinde laughs again)

Do you have a method?

I look for the challenge in aspects that provoke me, in objects or visual elements which I basically don’t like in the beginning (Jorinde is all smiles). Take the blossom as an example. Such a floral, feminine element is really not my thing on first glance. But I’d keep on looking until I find an approach that creates a blossom that I actually like.

I want to grow. JMB is not only about creating the pieces of jewelry that I’d want to wear. The universe around the brand is so much more important. Something complete and new should develop out of it.

Blossom Flower Fruit Collection - Leaf Necklace
Blossom Flower Fruit Collection - Leaf Necklace

Wie kommt dann die Kampagne dazu?

Das Thema ist vor der Idee für die Kampagne da. Nur die Objekte sind dann noch nicht unbedingt fertig ausgearbeitet und die Farb-Entscheidungen noch nicht hundertprozentig getroffen. Irgendwann kommt das alles zusammen und reift dann parallel. Aber ich mache nicht die ganze Kollektion fertig und denke zum Schluss: So, und wie kann ich das jetzt inszenieren?

Mit welchen Handwerkern arbeitest du zusammen?

Ich arbeite mit einer Goldschmiede, die mehrere Angestellte hat. Meine Kontaktperson ist Goldschmiedemeister und weiß total Bescheid. Und der arbeitet wiederum ganz eng mit seinen Leuten zusammen.

Dadurch, dass ich einen recht formalistisch und sehr konzeptuellen Ansatz habe – und keine Ausbildung als Goldschmiedin – gibt es natürlich immer wieder Situationen, in denen ich von den Handwerkern auf die Grenzen aufmerksam gemacht werde. Und manchmal gibt’s auch die Situationen, in denen das Handwerk sagt: Das können wir auf keinen Fall machen. Und ich sage: Probieren sie es doch bitte mal. Am Ende sind oft beide Seiten überrascht, wie viel doch möglich ist. Dann sind da noch die Steinschleifer. Die sitzen in Idar-Oberstein. In der Gegend wurden früher auch Steine abgebaut. Bergkristall hauptsächlich. Da hat sich traditionell ganz viel Know-How angesammelt.

How does the idea of a campaign join your topic and motif?

The topic predates the idea for the campaign. Only the objects themselves wouldn’t be finished at that point and I might not have made the final decision on colors. But at a certain point everything ripens in parallel. It’s just not possible for me to perfectly finish the whole collection and then say: Ok, now let’s start thinking about a campaign. It just doesn’t work that way for me.

Who are the manufacturers you work with?

I work with a goldsmith who runs a workshop with several employees. My contact there is the master craftsman but he in turn works very closely with his team. I have a very conceptual, formalistic approach and I am not a trained goldsmith. Which means that we get into situations in which the craftsmen would point out the boundaries of what’s possible. But sometimes we get into situations where they say: There is no way of doing this. But I keep asking and begging and in the end we would find a solution together and everyone is surprised and excited.

Then there are the stonecutters. They are based in Idar-Oberstein. The area is a traditional quartz mining region which kept supporting their craftsmen. It’s unbelievable how much know-how accumulated there over the centuries.

Blossom Flower Fruit Collection - Flower Earring
Blossom Flower Fruit Collection - Flower Earring
Blossom Flower Fruit Collection - Flower Earring & Stipe Bracelet
Blossom Flower Fruit Collection - Flower Earring & Stipe Bracelet

Aber das Design besprichst du hauptsächlich mit den Goldschmieden?

Ja. Wobei das auch nur noch eine Essenz ist. Ich habe immer eine Auswahl an Designs, die ich langsam runter koche. Ich zeichne zum Teil ein ganzes Skizzenbuch voll und sehe manchmal erst, wenn das voll ist, wie die Form eigentlich werden soll. Ich habe dann schon einiges ausprobiert und versuche nach und nach – auch aus Budget-Gründen – zu reduzieren. Aber ich fange auch relativ früh an, Ideen mit den Handwerkern umzusetzen.

Musst du dafür eine bestimmte Art der Kommunikation lernen?

Ja. Wir sprechen einfach verschiedene Sprachen. In anderen Bereichen, wie Grafik oder Fotografie, stellt sich das Vertrauen von selber ein. Da habe ich schon viele persönliche Kontakte. Da weiß ich auch, dass die Leute gern mit meinen Sachen arbeiten. Mit dem Handwerk ist das ein anderer Ausgangspunkt. Ich habe einen riesen Respekt vor der Sprache des Handwerks und ich will auch immer gern lernen. Wegen dieses Aufholbedarfs habe ich mir ordentlich Literatur angeschafft und bereite mich auf diese Gespräche vor. Und dann finde ich Begriff, wie zum Beispiel Kugelpunze, und freu mich voll, dass ich am Telefon sagen kann: Habe sie Kugelpunzen mit diesem spezifischen Durchmesser? (Jorinde lacht)

But if you talk about design, you mainly discuss it with the goldsmith?

Yes. But that’s only the final essence of the design process. I always work with a great variety of drafts which I would slowly simmer down over time. Sometimes I fill a whole sketchbook before I am sure that the right form would be the one I came up with in the beginning. I try a lot before I go into the material. Which is partly due to my budget. Still I would try to play out ideas with the craftsmen as early as possible.

Did you have to learn a specific kind of lingo to do that?

Definitely. We simply speak a different language. In other areas, like graphic design or photography, the faith in what the other party does is much easier to establish. Those are mostly personal contacts which grew over time. And I know that my people enjoy working with my designs. Communicating with craftsmen means to tap into a completely different source of language. I have an immense respect for what they know and do and I always want to learn more. Because of that huge need to catch up I got my hands on as much literature as possible and keep preparing for every conversation. I’d find specific phrases like domed punches and I’d be so happy to use that phrase and say at the next call: Do you have domed punches with this or that specific diameter? That would make me so happy. (Jorinde laughs)

Blossom Flower Fruit Collection - Leaf Ring
Blossom Flower Fruit Collection - Leaf Ring

Spielt Begeisterung für dich eine große Rolle?

Ohne Begeisterung würde das alles nicht funktionieren. Es gibt so viele Momente, die total schwierig sind und in denen ich ohne Begeisterung nicht weiterkomme. Die ist ja auch eine Art Droge, die dich die Realität anders wahrnehmen lässt, als sie ist. Wenn man zu realistisch an die Sache rangeht entsteht ja schnell mal das Gefühl: Warum mache ich das eigentlich? Das ergibt doch gar keinen Sinn! Die Lust, sich an der Sache abarbeiten zu wollen und damit weiterkommen zu wollen und die Vorstellung, genau das ein ganzen Leben lang machen zu wollen, das treibt mich weiter. Bei Mode hätte ich gedacht, dass ich’s vielleicht fünf Jahre durchhalte, nicht länger. Aber jetzt habe ich Begeisterung auf allen Levels. Du musst einfach tierisch Bock haben an deinen Schwächen zu arbeiten. Sonst kommst du nicht voran. (A.d.R. Nein, diese Mal lacht Jorinde nicht.)

Enthusiasm plays a huge role for you, right?

Without enthusiasm, none of this would work. So many situations are really difficult and I wouldn’t get through them without enthusiasm for what I do. It’s a kind of drug which tints reality in a much lovelier light. If you are too realistic about it all, the questions of What exactly am I doing this for? or Does this actually make sense? comes up much too quickly. The delight to be actually doing this and to keep progressing keeps me going. Plus the feeling that I could really do this for the rest of my life. I hadn’t had that feeling with fashion. Maybe I would have sweat it out over five years, but not longer. But now there is enthusiasm on every level. You need to be really stoked for improvement on your debilities. Otherwise you won’t get ahead. (No, Jorinde does not laugh this time)


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