A conversation with Simon Freund

Jana: Simon, Deine Arbeit stellt Deine Entwürfe in einen ganz besonderen Kontext, der sich teils offensichtlich, teils subtil gegen eine gängige Form von Konsum ausspricht. Kannst Du uns einen kurzen Einblick in die Vorgeschichte zu dieser Arbeit geben? Woher kommst Du?

Simon: Ich bin in einem kleinen Kaff in der Nähe von Frankfurt aufgewachsen. Gebürtig komme ich aus Königstein. Letzteres ist mir wichtig. Diese Gegend im Taunus ist eine der reichsten Deutschlands. Dort wohnen viele der Bänker die in Frankfurt arbeiten. Die wohnen lieber im schönen Taunus. Also finden sich dort sehr viele sehr wohlhabende Leute, zu denen ich nicht dazugehörte – auf gar keine Fall.

Aber ich wahr immer total nah dran. Ich war anfangs auf einer Privatschule und dort war es normal, dass die Schüler mit 18 ein Auto von den Eltern hingestellt bekamen. Oder das wir in den teuersten Clubs in Frankfurt feiern gingen, obwohl wir noch nicht volljährig waren. Ich war immer mit Luxus in Kontakt und doch war ich Außenseiter, weil ich eigentlich nicht dazu gepasst habe. Jetzt in meiner Arbeit, die sehr hochpreisig ist und die in gewisser Weise sehr luxuriös ist, finden sich viele Eindrücke aus dieser Zeit wider. Die Häuser und die Einrichtung, die ich damals gesehen habe, beeinflussen mich noch heute. Ob positiv oder negativ das weiß ich nicht genau.

Jana: Ist das, was Du jetzt entwickelst ein Anti-Statement gegen Überfluss oder Pomp von damals, oder waren die Wohnzimmer eher Moderne-Kunst-Museen, die deiner Ästhetik entsprechen?

Simon: Zweiteres. Ich fand Vieles sehr schön. Ein Wohnzimmer das komplett leer ist bis auf einen einzigen riesigen Tisch: Sowas fand ich total beeindruckend. Und mit diesem Einfluss arbeite ich auch heute noch.

Jana: Die Dinge, die Du kuratierst, wirken intensiv durch ihre Eigenständigkeit. Hängt das auch damit zusammen?

Simon: Ja. Die Produkte die ich jetzt mache, sehe ich heute in denHäusern von damals. Nicht alle, aber bezogen auf das Bild was mir davon im Kopf blieb.

Jana: Simon, you position your work in a very special context, one which resists against a certain kind of consumption in a part obvious and part subtle way. What is the history of this? Where do you and where does your work stem from?

Simon: I grew up in a tiny hick town close to Frankfurt. I was born in Königstein. That is important to me. The region it is embedded in the Taunus, one of the richest areas of Germany. Many of the bankers working in Frankfurt live there. They prefer to have their estates in the Taunus. So you’ve got many wealthy people living there, which I didn’t really belong to. Not at all.

But early on my parents sent me to a private school, and so I was always very close to the wealth. For example, it was quite common for us to party at the most prestigious clubs in Frankfurt, even though we weren’t even old enough to be permitted entrance. And it was totally normal for my schoolmates’ parents to equip their kids with luxurious cars as soon as they turned eighteen. So I was always surrounded by wealth, while staying an outsider myself. I didn’t fit in. Now in my work, which is pretty upscale and luxurious in a way, it’s easy to discover the influence of that time. One thing I remember so vividly is the interior design of my friends’ houses from that time. That definitely still affects me today. If that is a positive or negative aspect, I can’t really decide.

Jana: Do you see your work as an anti-statement to those experiences, to a certain kind of abundance or pomp? Or is it an homage to the beauty of luxurious, scaled back aesthetics like living rooms that resemble modern art museums?

Simon: The latter. I found that interior to be beautiful. For example a living room which was completely empty except for one single giant table: That really impressed me. That’s the spell I’m still under.

Jana: One can see that in the way you curate very self-contained objects for your collection. It has a strong effect.

Simon: In my head I envision the products I create now in the houses from back then. Not precisely every piece, but the overall picture.

Jana: Hast du auch so eine Idee im Kopf wenn es um die Läden geht, in denen deine Produkte verkauft werden sollen?

Simon: Schon, aber da gibts aus meiner Sicht nicht genug Concept Stores die radikal genug sind. Die meisten arbeiten nicht auf der Ebene auf dem ich arbeiten will. Wobei eine andere Ebene nicht zwangsläufig etwas Schlechtes ist, nur eben anders. Ein Laden mit sehr guter Auswahl, den ich gerade total bewundere, ist The Line in New York. Allerdings sind die für meine Arbeit zu kommerziell. Grundsätzlich stelle ich es mir so ähnlich vor.

Jana: Müsste der optimale Ort noch versteckter und ausgewählter sein?

Simon: Genau, ich habe in London meinen ersten Händler Hostem. Das ist ein Concept Store und der ist schon ziemlich perfekt. Hostem verkauft konzeptionelle Produkte. Die sind sehr hochpreisig und sehr exklusiv. Die haben pro Tag zwischen 5 und 10 Kunden, aber die bekommen super Beratung und es wird sich Zeit genommen, ganz ruhig und ja, ganz besonders.

Jana: Das klingt nach dem perfekten Start. Dann lass uns doch hier noch mal zurück in den Taunus gehen. Wie war der Weg von dort hierher?

Simon: Weil ich es da damals Kacke fand bin ich sobald ich konnte nach München und dann nach Köln gegangen, um zwei Praktika zu machen. Erst in der Snowboard Branche und dann in der Modebranche bei Armed Angels, die damals noch ein Social Start-Up waren. Zu der Zeit habe ich auch angefangen selber Sachen zu machen. Streetwear und Snowboard Mode, die so umweltfreundlich wie möglich war. Das lief schon unter dem Namen Simon and Me, aber eher als Hobby.

Dann ging ich fürs Studium nach Amsterdam zum AFI. Aber das hab ich nur ein Jahr gemacht. Parallel hat sich die ganze Zeit Simon and Me weiterentwickelt. Und als ich jemanden kennenlernte, der mir mit dabei geholfen hat, dachte ich: Ok, ich lass das Studium sein, ich konzentriere mich nur auf das Label. Das lief noch ein Jahr dort und dann ging es zurück nach Deutschland, weil Amsterdam viel zu teuer und zu kompliziert ist.

Jana: Do you have a similar vision when it comes to stores you want to see your work in?

Simon: A bit, yes. But in my opinion there aren’t too many radical concept stores. Most of them don’t work in the context I’d like to work in. That doesn’t mean that any other context ist wrong or worse. It’s just different. One store with amazing selection, one I really admire, is The Line in New York. https://www.theline.com/ But it’s still a bit too commercial for my work. But basically, that’s the tendency I envision.

Jana: Would your perfect shop partner have to be more hidden? More selective?

Simon: Exactly. My first store partner is in London. A place called Hostem. A concept store close to being perfect. Hostem sells conceptual pieces. Everything is pretty upscale and rarefied. That store might have 5 to 10 customers per day. But they get an amazing consulting, Hostem staff takes the right amount of time per customer, they explain everything in detail, very calm and very special.

Jana: Sounds like a perfect start. And the right point to dive back into your past. What happened after you left the Taunus? How did you get here?

Simon: At a certain age I really started hating it there. So as soon as I could, I left to go to Munich and after that to Cologne to do internships. The first one was a snowboard label and the next one, in Cologne, was in fashion: Armed Angels. Which was, back then, really a social start-up. And that’s the time when I started designing myself. I designed streetwear and snowboard fashion, produced in the most eco-friendly way possible. I came up with the name Simon and Me back then. But it was more of a hobby.

Next I went to Amsterdam to study fashion at AFI. But I only did that for one year. At the same time I kept working on Simon and Me, pushing it forward. And when I found a friend who’d help me with it, I decided: Ok, I’ll leave the studies be, I’ll focus on my label. That worked out well for another year and then I moved the whole thing over to Germany, because Amsterdam was much too expensive and much too complicated.

Jana: War die Begeisterung für Simon and Me der Motor für die Entscheidung, oder gab es auch andere Gründe?

Simon: Beides. Aber vor Allem hat mich das Studium einfach nicht gepackt. Ich fand viele von den Lehrern blöd, ich fand viele von den Mitstudenten blöd, ich fand den Unterricht blöd.

Jana: Hast Du das Gefühl es lag an deiner Situation oder hast du das Gefühl es läuft in der Ausbildung generell was falsch?

Simon: Ich glaube das generell Alles falsch läuft. Aber unter anderem auch da. Für mich war das Studium Quatsch. Aber im Endeffekt war die Zeit total geil. Meine Freundin habe ich dort kennengelernt und wir sind heute noch zusammen. Aber es hat mich nicht nach Vorne gebracht dort zu studieren. In dem Sinne kann man schon sagen: Ja, wär das Studium besser gewesen, wäre ich geblieben.

Für viele Leute, die in der Branche arbeiten wollen, muss es einen Zugang geben. Und im Studium wird dir gesagt: Du musst jetzt das und das machen. Aber ich mache Dinge weil ich Bock hab und nicht weil mir jemand sagt, dass ich sie machen soll.

Jana: Um so besser, dass es damals schon Simon and Me gab.

Simon: Genau, das war cool. Irgendwann hatte ich dann hier in Berlin einen kleinen Laden, in dem ich neben meinen eigenen auch andere Produkte verkauft habe. Da musste ich nach einer Weile feststellen, dass ich gar keinen Bezug zu den Produkten hatte, die ich verkaufe habe, weder den eigenen noch den kuratierten. Parallel wurde der Druck so viele Produkte wie möglich zu verkaufen immer größer. Das war zwar alles zertifiziert und Bio. Aber die T-Shirts wurden beispielsweise in Indien produziert. Mir wurde klar, dass es mir scheißegal ist, ob das Bio oder zertifiziert ist. Ich wollte einfach wissen wo und wie es produziert wird und für mich selber entscheiden ob ich das dann gut finde..

Der nächste Gedanke war: Ok, wenn Du alles in Deutschland produzierst, dann könntest Du Dich A mehr mit Deiner Herkunft auseinandersetzten und B eben mehr ein Auge drauf haben wo und wie produziert wird. Ich habe daraufhin mit ein paar Leuten gesprochen und die hielten mich alle für total bescheuert und rieten mir das auf gar keinen Fall zu machen. Ich habs natürlich trotzdem gemacht und Simon and Me Made in Germany gestartet. Das ist jetzt etwas mehr als 2-3 Jahre her. Anfangs lief das relativ schleppend. Jetzt, kurz bevor ich aufgehört habe, lief es ziemlich gut. Und trotzdem, obwohl ich jetzt ein Produkt hatte, das supernah an mir war, das unter fairen Bedingungen produziert wurde, so umweltfreundlich wie möglich, in kleiner Stückzahl, war ich nicht happy damit Sachen zu verkaufen oder zu produzieren. Ich hatte das Gefühl: Kein Produkt das ich verkaufe macht mich nicht glücklicher. Ich will eigentlich gar nicht verkaufen.

Jana: Was it the enthusiasm for Simon and Me which made you drop out of school? Or did you have other reasons, too?

Simon: Both. But mainly it was my studies, which never really wowed me. I found many of the professors to be silly, some of my fellow students as well, and basically the classes, too.

Jana: Do you think it had to do with your personal situation? Or would you say there is something generally wrong in education?

Simon: In my opinion there is something generally wrong with everything! But definitely education, yes, among other things. For me studying was nonsense. But in the end it was an amazing time. I met my girlfriend there and we are still together. The problem was, the studies themselves never drove me forward. In that sense one could say: If it would have been better, I would have stayed.

On the other hand, for people who want wo work in the fashion world, there needs to be a way in. During your studies people explain to you what and how to do things to get in. But I always did things because I was up for them, not because someone told me to do them.

Jana: Well, so much the better that you already had Simon and Me back then.

Simon: True. That was really cool. Eventually I opened a store here in Kreuzberg where I sold my own collection as well as other products. But after a while I realized that I had very little affinity to the products I sold. Neither my own, nor the ones I took in commission. At the same time the pressure to sell more and more and more grew constantly. And yes, it was all certified and eco-friendly and all. But the T-Shirts, for example, they were produced in India. It dawned on me that I actually don’t give a damn about certificates and eco-friendliness. I simply want to know where the products are produced, and how, and then I want to decide for myself if I’m fine with that or not.

So the next thought was: Ok, if I produce everything in Germany I could take the chance to learn more about my heritage and keep an eye on where and how my products are produced. So I talked to some people about this idea and they all deemed me daft. They all said: Don’t do it. So naturally I did it. I started Simon and Me Made in Germany. That was around three years ago. In the beginning it went a bit slowly. But now, shortly before I stopped doing it, it went pretty well. But nonetheless, although I had set up products close to my heart, produced under very good conditions, as eco-friendly as possible, I still wasn’t happy with the idea to produce or to sell something. My feeling was: No product I was ever going to sell is going to make me happy. In a sense I don’t want to sell at all.

Jana: Der nächste Schritt nach vorne wären vermutlich mehr Verkäufe gewesen?

Simon: Genau. Mir wurde klar, dass ich das nicht möchte. Da haben wieder alle gesagt ich sei total bescheuert. Jetzt sehe ich mich nicht mehr mehr als Marke oder Designer oder Produzent, sondern als Konzept-Künstler. Ich hab ein Konzept und möchte das mit Menschen teilen. Weil ich aber seit 7 Jahren in diesem Design- und Produktionsding, ist das jetzt mein Medium: Produktdesign und Produkte und der Vertrieb der Produkte und dieser ganze Apparat in dem ich früher gearbeitet habe. Das ist der Rahmen, aber meine eigentliche Leistung ist das Konzept. Die Herausforderung ist jetzt diese Neuentwicklung zu kommunizieren.

Ich mache mir viele Gedanken darüber, mit welchem Händler ich arbeiten möchte um meinem Konzept treu zu bleiben. Auch welche Produkte ich verkaufe, welche nicht und wie ich sie verkaufe. In den letzten 2 Wochen habe ich bestimmt 10 Leuten gesagt, dass sie meine Sachen nicht kaufen können. Wenn ich beispielsweise nach dem Armreif gefragt werde, ist der Preis so hoch, dass den kaum jemand zahlen möchte. Das heißt, dass ich geschäftlich quasi alles falsch mache, aber für mich persönlich alles richtig. Das ist eine krass Situation.

Mein Konzept drückt die richtigen Dinge aus und verändert vielleicht auch im Kleinen etwas. Es ist doch so: Wenn ich darauf aufmerksam machen will, dass Massenproduktion nicht gut ist und dafür T-Shirts verkaufe, die in Indien produziert werden und mit Massenproduktion ist Scheiße beschriftet sind, dann ist das Quatsch. Hier ist die Aussage: So wenig Konsum wie möglich. Also verkaufe ich so wenig wie möglich. Ich hätte in den letzten 2 Monaten locker das 10fache oder 100fache verkaufen können. Mach hab ich halt nicht mehr. (Lacht)

Jana: Wie fühlt sich das an?

Simon: Ich finds total geil. Weil ich so so happy bin, dass die Leute es verstehen, wenn ich mir die Mühe gebe es zu erklären. Es ist alles total cool, ich hab nur keine Kohle. (Lacht)

Aber an diesem Punkt muss das zweitrangig sein für gute Arbeit. Ich sag nicht das man kein Geld mit seiner Arbeit verdienen soll. Ich bin der Erste, der für gutes Design, interessante Kunst oder gute Musik gern Geld ausgibt. Aber der Grundanspruch in diesem Kontext darf nicht Geld sein. Sonst funktioniert es nicht. Das war es, was mich immer gebremst hat. Um so mehr ich sage ich scheiß aufs Geld, um so stärker wird meine Arbeit.

Jana: But the next step forward would have been to sell more?

Simon: Exactly. It became clear to me that I didn’t want that. And again everyone said that I was completely bonkers. But what changed is that I don’t consider myself to be a designer or producer anymore. I see myself as a concept artist. I have a concept I want to share with people. But as I’ve been working in this design and production world for 7 years now, it’s obvious that exactly that would be my media: product design and the way those products are marketed, the whole machinery, that’s the framework now. But the actual performance lies in the concept. The biggest challenge now is to communicate this news.

I think a lot about the question of potential sales partners. It’s immanently important to stay true to the concept. So I think a lot about which products to sell and how. During the last two weeks I have told around 10 people that they can’t buy my designs. If people ask me about the price of that bracelet, they won’t buy it because it is too expensive to them. So in terms of business I’m doing everything wrong. But personally I feel like I’m definitively doing it right. That is a crass situation.

My concept expresses the right things to me and maybe I’m changing something on a small scale. Look: If I want to raise awareness on the downsides of mass production in selling T-Shirts made in India bearing a print reading “Mass Production is Crap”, everyone should realize that that’s nonsense. The proposition should be: As little consumption as possible. That’s the goal. So I sell as little as possible. In the last two weeks I probably could have sold 10 times as much, maybe 100 times as much as I did. But I don’t do that anymore. (laughs)

Jana: How does that feel?

Simon: It think it’s fantastic. Because I’m so happy that there are people who actually get what I’m doing here. It’s totally cool, but I’m totally broke. (laughs again) But that needs to be secondary at this moment. I don’t say one should not earn good money for good work. I’m the first to spend lots of money on good design, interesting art or good music as much as I can. But in this context the pretense should not be money, otherwise it won’t work. Because that’s what used to slow me down. The less I care about money the better my work gets.

Jana: Du hast jetzt mehr Autonomie.

Simon: Ja.

Jana: Du hast eine neue Ebene der Konsequenz gefunden und damit ein Dilemma aufgehoben. Bloß hast du jetzt ein anderes Dilemma…

Simon: Ja, jetzt habe ich ein anderes Dilemma. Aber mir ist es wichtig, dass meine Arbeit konsumierbar bleibt. Es geht viel um den Widerspruch zwischen Wert und Preis. Das steht.

Jana: Diesen Widerspruch kenne ich im Kleinen vom Alltagskonsum.

Simon: Ja, nur denkt man da halt nicht so viel darüber nach.

Jana: Aber man wird immer mehr damit konfrontiert, finde ich. Selbst als Person, die nicht konsequent danach handelt.

Simon: Ja es ist auf jeden Fall eine interessante Entwicklung. Nichts desto trotz ist es schwierig… finanziell. Aber ich persönlich kann auch nicht sagen: Ich find Konsum Kacke und deswegen geh ich in den Wald und esse Blätter. Ich meine, das ist schon eine Option. Aber ich habe früher mal gesagt: Wenn ich groß bin will ich Bürgermeister werden. Jetzt will ich nicht unbedingt in die Politik gehen, aber ich brauche den Austausch. Meine Kritik gilt den Konsumenten, wie könnte ich mich das hinstellen und sagen: Ab jetzt habe ich nichts mehr mit Konsum zu tun. Ich will halt den Austausch und da sein, wo meine Kritik auch etwas bewegt.

Jana: Dabei ist ja auch offensichtlich, dass eine Arbeit schön bleibt.

Simon: (Lacht) Ja das ist ein weiterer Punkt, der es für mich nicht so einfach macht meine Aussage rüberzubringen. Aber ich kann kein Kunstwerk machen, das ich mir selber nicht angucken möchte. Die Produkte könnten auch hässlich sein um die Aussage zu transportieren. Nur warum sollte ich hässliche Sachen machen? Das blendet halt voll, diese Schönheit.

Jana: Der ästhetische Anspruch passt ja auch zu dem Austausch mit dem Konsumenten den du auch suchst.

Simon: Es ist so eine Art Anlocken. Man darf nur den Preis nicht drunter schreiben. Dann wird niemand mehr angelockt. Aber das ist eigentlich genau das Ding. Deswegen ist auch kein Preis auf der Website, weil du halt so lang wie möglich mit dem Gedanken spielen sollst “Ich will das jetzt kaufen. Ich will das haben” Und dann gebe ich dir genug Punkte, warum du’s halt doch nicht mehr haben willst, oder doch nicht mehr kaufen willst. Und in dem Moment, in dem du es nicht kaufst ist so ein Ziel erreicht, aber in dem Moment in dem du’s nicht kaufst und drüber nachdenkst warum, ist noch mehr erreicht.

Jana: You are more autonomous now?

Simon: Yes!

Jana: So you found a new level of consistency and by doing so canceled out a dilemma. But now you have a new dilemma…

Simon: Now I have a new dilemma, indeed. But I want my work to stay consumable. It’s all about the contradiction between value and price. That’s set.

Jana: I know that contradiction on a small scale from everyday consumption.

Simon: But no one would think about that too much.

Jana: But I think people are more and more confronted with it. Even if it doesn’t lead to consistent behavior.

Simon: It definitely is an interesting development. But nevertheless, it’s complicated… financially. But me personally, I can’t really say: Oh I think consumption is shit so I go live in the woods and eat leaves. That definitely is an option. But when I was a kid I used to say: When I grow up I’m going to be a mayor. Today I definitely don’t want to be a politician, but I need to mingle, exchange ideas. I could simply say goodbye to consumption. But I want to be where my criticism changes something.

Jana: While your work still obviously is – how do I phrase it – very beautiful.

Simon: That is another aspect that makes it harder to communicate my proposition. But I am simply not capable of creating something that I myself don’t want to look at. The products could definitely be ugly and express a similar idea. But why would I create something ugly. Plus: This beauty clearly bedazzles people.

Jana: So the aesthetic pretense matches the exchange of ideas you want to have with your customers?

Simon: It’s a kind of allurement. As long as I don’t put a price tag on it. Because than no one is allured any longer. But that’s exactly the idea. That’s why there is no price on the website. It makes you play with the thought „I want that. I’m gonna buy it.“ as long as possible. But in the end I will give you enough reasons why you shouldn’t buy it and wouldn’t buy it. And in a sense my goal is reached when you don’t buy it and give the question why you don’t want to buy it any longer some thought.

Jana: Was passiert wenn jetzt doch was verkauft wird?

Simon: Dann ist es gut, weil ich damit Miete zahlen kann. (Lacht) Ich kann dann damit weiter arbeiten. Zu einem Preis zu dem jeder, der irgendwie mit dem Produkt involviert ist, gut leben kann. Also ich kann jedes Produkt 100x verkaufen und ich tu damit nichts Schlechtes bis auf den Fakt, dass 100 Produkte mehr in der Welt sind. Aber es ist nicht zwangsläufig negativ die Produkte zu kaufen. Wenn du zum Beispiel die Leiter kaufst, die bei 8500€ wahrscheinlich die teuerste Leiter der Welt ist, dann gehe ich halt davon aus, dass du 8500€ weniger für so Kram ausgibst. Abgesehen davon würdest du natürlich diese ganze Idee unterstützten. Natürlich auch ein Grund, warum die Dinge so teuer sind. Denn so kann ich wenig verkaufen und trotzdem weitermachen.

Jana: Und darin steckt direkt wieder ein Gegensatz, der im Kunst-Markt tief verankert ist. Da stehst du also auch schon mit einem Bein drin. Wieder das Thema Wertschätzung.

Simon: Damit spiele ich auch ganz gern. Deshalb sind meine Produkte nicht limitiert. In der Kunstwelt gäbe es immer Editionen: Eins von Hundert oder Eins von Zehn oder Eins von Drei. Das mache ich nicht. Theoretisch können Kunden so viel kaufen wie sie möchten. Ich schreibe nichts vor, ich gebe nur eine Leitrichtung.

Jana: Du schreibst nur einen Preis dran.

Simon: Ich schreib nur einen Preis dran, ja.

Jana: Spannend. Wohin wird sich das weiter entwickelt.

Simon: Das ist die Frage. Ich brauche erst mal viel Zeit selber zu verkraften, was ich da gemacht habe. Ich habe das Ganze im August veröffentlicht und ich denke immer noch die ganze Zeit darüber nach. Ich kann das auch alles noch immer nicht in einem Satz erklären, was ich da mache.

Jana: Vielen Dank, dass Du es in mehr als einem Satz getan hast!

Jana: And what happens if someone buys something?

Simon: Even better. Because then I can pay my rent (laughs). It means I can keep on working on this. And I can do it at a rate at which everyone who was ever involved in creating the product you buy can make a good living out of it. So even if I’d sell every design 100 times I wouldn’t do anything bad to anyone except for the fact that there are 100 things more in this world. But it isn’t inevitably bad to buy these products. Because if you’d buy my ladder, which at a price of 8500€ is probably the most expensive ladder in the world, it would mean that you wouldn’t spend those 8500€ on… stuff. And apart from that you would support this whole idea I’m communicating. One reason why all of this is so expensive. Sell less and still survive.

Jana: And again, you are confronted with a predicament. One which is very common in the art world when it comes to selling pieces. So you’ve got one leg in that as well. Again, a matter of value versus price.

Simon: I like to play with that. That’s one reason why my products are explicitly not limited. Because in the art world they would all be part of an edition: one of one hundred or one of ten or one of three. I don’t do that. Theoretically my customers can buy as many pieces of one design as they want. I don’t set rules, I only set the agenda.

Jana: You set up a price.

Simon: Yes, basically that’s what I do.

Jana: I’m very curious on how this will develop.

Simon: That’s the big question. I have to be honest, I still need some time myself to digest this change. I started this thing in August and still think about it every day. I still can’t explain it in one sentence.

Jana: In that case I’d like to thank you very much that you did it in more than one sentence!


Leave a Reply

Name and email are required. Your email will stay private.

All comments will be reviewed before submission.